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21 Pässe an einem Tag - Dolomitentour 2011   Berichte von Ausfahrten

Einundzwanzig - in Zahlen: 21 Dolomitenpässe an einem Tag - das klingt sicher ein wenig nach Übertreibung oder zumindest reichlich sportlicher Knieschleiferei. Ist es aber nicht! Man benötigt für diese Superrunde lediglich etwas Steh- oder besser gesagt Sitzvermögen. Auch muss man garantiert nicht zur Heizerfraktion übertreten und seinen Führerschein riskieren. Alles in allem sollte man den entlang der Strecke frei wählbaren Ausgangspunkt, der sich z.B. am 1753 Meter hohen Karer Pass (Pass 1) direkt vorm weithin bekannten Motorrad & Reisen Hotel “Castel Latemar” befindet, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 50 km/h nach rund zehn Stunden (inklusive einiger nicht allzu langer Pausen) wieder erreicht haben.

Starten sollte man allerdings ein wenig früher. 8.30 Uhr ist eine gute Zeit. Hinzu kommt, dass man die Strecken für diese Tour gleich Anfang Mai fahren sollte. Die Straßen der Dolomiten sind dann schon frei vom Wintersplitt und der Touristenverkehr samt Bussen und Wohnmobilen ist noch nicht angekommen. So erlebt man den Nigerpass (Pass 2) nahezu autofrei. Nirgends gibt es einen Stau, auch nicht auf dem schmalen Fahrweg am Schloss Prösels entlang oder auf dem breiten Teerband, das anschließend über Völs, Kastelruth und den Panidersattel (Pass 3) ins Grödnertal führt. Das verlässt man aber gleich wieder, denn das Ziel ist zunächst das landschaftlich reizvolle Vilnösstal. Dort schraubt man sich erneut bergan und übers Halsljoch (Pass 4) kurvt man zum Würzjoch (Pass 5), danach schwingt man zum Grödner Joch (Pass 6) hinauf. Von dort geht es dann zum Sellajoch (Pass 7) und man genießt dort kurz die Superausblicke zum Langkofel und hinüber zur immer weißen Marmolada, bevor man hinab in Richtung Fassatal kurvt. Dabei taucht man kurz in eine landschaftliche Idylle ein: In Talnähe dominieren saftige Wiesen, darüber gruppieren sich dichte Nadelwälder und ganz oben - sozusagen als Sahnehäubchen - beeindrucken imposante Felsformationen in allen Variationen, von schroffen Spitzen bis hin zu massigen Felsbastionen. In eine von diesen mitten hinein führt auch das bald folgende Kurvengeschlängel hinauf zum 2239 Meter hohen Pordoj-Joch (Pass 8). Oben angekommen sollte man sich etwas Zeit nehmen. Das gewaltige Landschaftspanorama dort beeindruckt nämlich genauso, wie die reichlich frei über dem Grund schwebende Luftseilbahn. Letztere führt hinauf zur Pordoispitze und erinnert an erstklassige Hochseil-Akrobatik. Bevor einem bei diesem Anblick die Knie so richtig weich werden, sollte man die Maschine lieber wieder starten. Es geht hinunter nach Arabba.

Nach einer Kurvenorgie vom Feinsten steht dort die nächste Passpartie an und man kurvt über den Passo di Campolongo (Pass 9), der nach dem sensationellen Pordoi-Joch allerdings schon fast ein wenig fad wirkt. Aber gleich wird alles wieder anders, denn bei Stern (La Villa) startet die sensationelle Auffahrt zum 2197 Meter hohen Passo di Val Parola (Pass 10), die in eine karge Felslandschaft führt. Außerdem lässt sich dort rechts der Straße ein Sperrfort neben alten Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg bestaunen. Obwohl das blutige Schlachtgetümmel vor über 90 Jahren sein Ende fand, so läuft es einem immer noch kalt den Rücken hinunter, wenn man der zahllosen wie sinnlosen Opfer gedenkt. Nach kurzer Abfahrt wird anschließend der Passo di Falzárego (Pass 11) erreicht. Die Gänsehaut hat sich kaum gelegt, da bekommt sie gleich Nachschub. Denn rechts vor dem Gasthaus dort stehen matt glänzende Artilleriegeschosse aus jener Dolomitenschlacht und auf der anderen Straßenseite glänzt ein passendes Geschütz in der wärmenden Hochgebirgssonne. Schnell weiter und so surft man in Richtung Caprile. Das wird ein geradezu atemberaubender Turn, der in eine scheinbar endlose Tiefe führt. Da sind satte Schräglagen genauso garantiert, wie auf der folgenden Traumstrecke zum 2230 Meter hohen Passo di Giua (Pass 12) hinauf. Das dürfte hinsichtlich herrlicher Richtungswechsel dann auch das bisher unbestritten Beste sein, was einem heute unter die Räder kommt. Allerdings hat dieser auch in der Hochsaison weniger befahrene Pass zwei Gesichter, denn die Ostrampe führt moderat und mit wenig Schräglagen in Richtung Cortina. Daher kehrt man um und macht der Westrampe erneut seine Aufwartung, dieses Mal in der Bergabvariante - und die macht auch Spaß! Den bald erreichten Ort Selva di Cadore und Forno im Valle di Zoldo verbindet eine schöne Serpentinenstrecke namens Forcella Staulanza (Pass 13). Ihr Scheitelpunkt findet sich in 1773 Meter Höhe zwischen Monte Pelmo und Monte Civetta - und erneut findet man sich in einer landschaftlich atemberaubenden Szenerie wieder.

Über den Passo Duran (Pass 14) geht es anschließend weiter nach Agordo. Auf dieser Passstraße ist übrigens nie viel los, da sie für den normalen Durchgangsverkehr keinerlei Rolle spielt. So erzeugt die Fahrt auf dem schmalen und sehr kurvenreichen Teerband, welches zwischen den Bergen Monte Moiazza (2868 m) und Cime de San Sebastiano (2488 m) hindurch führt, sicher mindestens doppelt gute Laune. Die dürfte sich auch nicht ändern, wenn es danach über Forcella Aurina (Pass 15) und Passo di Cereda (Pass 16) geht. Immerhin wird auch diese Strecke im Allgemeinen recht wenig befahren. Sie eröffnet obendrein traumhafte Blicke in die ziemlich schroffen Belluneser Dolomiten, die schon den Südrand der Alpen markieren. Man kurvt aber wieder mitten ins Gebirge hinein und zwar hinab nach Tonadico. Dort biegt man auf die sehr breite Straße in Richtung Rollepass (Pass 17) ein. Normalerweise ist es hier mit der Ruhe nicht weit her. Aber Anfang Mai hat man auch dieses kernige, weil ganz schön kurvige Teerband bergan, wie bergab fast für sich allein. Wohnmobilfans und Reisebusfirmen unterliegen gottlob wohl auch dem Irrtum, dass Anfang Mai Schnee und Eis noch die Dolomiten zieren. Das alles erfreut einen natürlich genauso wie die folgende Fahrt über den 2033 Meter hohen Passo di Vallés (Pass 18), der dann quasi die Verbindung zum Passo di San Pellegrino (Pass 19) bildet. Letzterer lässt sich wegen dem guten Zustand und der wenigen Kurven recht flott passieren. So erreicht man schon bald Moena im Fassatal, wo ein Linksschwenk in Richtung Cavalese folgt.

 

Noch braucht es eben zwei Pässe um die 21 voll zu machen. Der erste davon heißt Passo di Pramadiccio (Pass 20). Er erreicht eine Scheitelhöhe von 1431 Metern und kann hinter Tesero (dort den Hinweisen Stava folgen) als südliche und recht einsame Anfahrt zum Lavazé-Joch (Pass 21) genutzt werden. Landschaftlich bietet diese gut ausgebaute Passstraße einiges, denn sie führt am westlichen Fuß des markanten Latemar-massivs entlang. Im Scheitelbereich öffnen sich zudem wunderbare Blicke auf das Schwarz- und Weißhorn, sowie zum Zanggenberg. Aber Achtung: Trotz toller Aussichten sollte man hier die Fahrbahndecke stets fest im Blick haben, denn allzu oft liegt Rollsplitt auf dieser Straße, die hinunter ins Eggental führt. Dort heißt es dann rechts abbiegen, das grandiose Finale dieser Tour wartet. Es geht also hinauf zum Karer-Pass.

Nun sollte man beim Schlussspurt - und man liegt ja sicher noch gut in der Zeit - nicht allzu heftig am Kabel drehen, denn am Ortsausgang von Welschnofen, am Karer See und etwas weiter am Grand Hotel achten die Carabinieri des Öfteren darauf, dass man sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält.

 

Die Strecke:
Karer Pass - Niger Pass - Schloss Prösels - Panider Sattel - Vilnösstal- Halsljoch - Würzjoch - Corvara - Grödner Joch - Sellajoch - Pordoj-Joch - Arabba - Passo di Campolongo - Stern - Passo di Val parola - Passo di Falzárego - Caprile - Passo di Giua - Selva di Cadore - Forcella Staulanza - Passo Duran - Agordo - Forcella Aurina- Passo di Cereda - Rollepass - Passo di Vallés - Passo di San Pellegrino - Moena - Passo di Pramadiccio - Lavazé-Joch - Karer Pass.

Gesamtstrecke: Etwa 430 km kommen bei dieser Tour zusammen.

Text: Klaus R.