AMSC Leonberg e.V.
Allgemeiner Motorradsport-Club e.V.

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Start 

Geländefahrt „Rund um den Steinsberg“ Sinsheim Weiler - 21.08.2010

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Wie so häufig in den letzten Jahren, war auch der Start bei der Geländefahrt in Sinsheim eine „Punktlandung“, also auf den letzten Pfiff. Am Wochenende vorher holten Silke und ich uns noch den 3. Platz mit dem BMW-Straßenrenngespann bei „Rund um Schotten“. Am Montag gab es die ersten Testfahrten mit dem CZ- Endurogespann, welches 20 Jahre stillgestanden hatte und nun nach einer Grundüberholung frisch über den TÜV gekommen war. Bei den Probefahrten pfiff es mir zweimal die originalen Alu-Kopfdichtungen durch und damit war dieses Ersatzteil leider aufgebraucht. Also flink in Sachsen bei meinem Freund Ralf angerufen, welcher mir schnell nach meiner Zeichnung mehrere Kopfdichtungen aus Kupfer ausplotterte. Dank der Deutschen Post konnte dann am Mittwoch alles zusammengebaut werden. Das Gespann wurde mit einem schönen neuen Lenker versehen und am Donnerstag ging es auf zur ersten Testfahrt im Gelände mit Clubkamerad Michel A..
Bereits nach ca. 1000 Meter entspann sich folgender Dialog: „Michel, hast du dir etwas getan? Antwort: “Nein, ich konnte rechtzeitig abspringen!“ „Gut, dann kannst du mal das Gespann von mir runter heben!“

Vorausgegangen war ein Überschlag, verbunden mit der Erkenntnis, dass man es im Gelände in den Linkskurven etwas ruhiger angehen sollte. Aber wie sagte schon mein Ausbilder in der Lehre damals: “Lernen durch Schmerz!“. Mit krummem Lenker drehten wir dann noch ein paar Runden im Gelände und es lief dann zusehends besser, sprich: wir haben uns tatsächlich nicht mehr überschlagen.
 

Freitagmorgen ging es erstmal zum Louis-Shop nach Stuttgart. Aber trotz des Hinweises auf den tatsächlich artgerechten Einsatz des Endurolenkers wurde der Schaden nicht als Garantiefall anerkannt, was einen Neuerwerb nötig machte.

Nachdem in der heimischen Garage die Schäden gerichtet waren, ging es ab nach Sinsheim, um sich einen Platz im Fahrerlager zu suchen. Wir richteten uns häuslich ein und gegen 19 Uhr wollte ich mit dem Gespann zur Abnahme fahren. Direkt nach dem Antreten merkte ich, wie ein angenehm warmer Wind meine kurzbehosten, sportlichen Schenkel umschmeichelte. „Sch……! Doch wieder die Kopfdichtung!“
Technisch war das Fahrzeug ja okay, also bekam ich den Abnahmestempel, das Motorrad die Markierungen an den relevanten Teilen und anschließend hieß es wieder bauen. Ich entschloss mich nun, eine etwas dickere Kopfdichtung zu benutzen, lieber die Verdichtung etwas zu reduzieren und schraubte alles sehr sorgfältig und gleichmäßig wieder zusammen. Zusätzlich zur Dichtung benutzte ich noch einen leichten Film hochtemperaturfester Flächendichtmasse von Loctite. Nun blieb nur die Hoffnung, dass nicht doch der Zylinderkopf verzogen war.
Am nächsten Morgen trudelten Conny und Beifahrer Michel ein und wir fuhren das Gespann in den Parc ferme. Vorläufig hielt die Kopfdichtung. Wir würden also am Start stehen, was ein erster Erfolg war.
 

Nach der obligatorischen Fahrerbesprechung rollten wir recht früh mit kaltem Motor an den Start zur Startprüfung. Der gute tschechische Zweitakter sprang super innerhalb der 20 Sekunden an und ab gings. Wir hatten uns entschieden, es diesmal etwas vorsichtiger anzugehen, da wir beide aus finanziellen Gründen am Montag wieder einer geregelten Tätigkeit nachgehen wollten. Es klappte auch ganz gut und ich musste lediglich einmal das Gespann in die Büsche lenken um einen Überschlag nach links zu vermeiden. Wir zogen das Gespann rückwärts aus dem Unterholz und weiter ging es.

Übrigens ist in solchen Situationen generell der Beifahrer schuld! Der mehrmalige Weltmeister Helmut Fath hatte es einmal so formuliert:
“Der Fahrer hat zu jeder Zeit das Recht, seinen Beifahrer zu schlagen oder zu treten!“ Da es sich aber um Michels Ersteinsatz handelte, hatte ich mich entschlossen auf solch radikale Mittel vorläufig zu verzichten.


An die Grenzen unserer fahrerischen Fähigkeiten gerieten wir dann im großen Steinbruch. Nachdem wir sahen, wie selbst verschiedene Solofahrer mit dem Kopf schüttelten und umdrehten, entschlossen wir uns auch, diese Sonderprüfung zu umfahren. Zudem trat seit einiger Zeit ein kleineres technisches Problem auf. Der Bremshebel war locker und fiel immer nach unten, so dass ich ihn vor jeder Bremsung wieder herauf drehen musste. Nun ist zwar wer bremst generell feige, aber gelegentlich lässt es sich eben trotzdem nicht vermeiden. Da in unserer Werkzeugtasche kein Inbusschlüssel vorhanden war und man uns bei keiner Zeitkontrolle helfen konnte, entschlossen wir uns, kurz ins Fahrerlager einzubiegen. Glücklicherweise hatten unsere anbetungswürdigen weiblichen Begleiterinnen den Klang des Zweitaktgespannes sofort erkannt und waren prompt mit dem Schlüssel zum Wohnmobil geeilt, so dass wir an den passenden Inbusschlüssel und die Getränke kamen und uns kurze Zeit später wieder auf die Strecke begeben konnten.

Dadurch waren wir allerdings an der folgenden Zeitkontrolle sehr spät dran, holten uns rasch unseren Stempel und starteten durch. Die Sprintprüfung und die Motocrossprüfung klappten ganz gut. Jedoch hatte das Gespann jetzt manchmal Aussetzer, so dass wir mehrmals schieben mussten. Dies passierte getreu dem Murphyschen Gesetz natürlich immer am Berg, was dazu führte, dass wir bei deutlich über 30 Grad gemütlich vor uns hintranspirierten. Da wir mittlerweile 50 km geschafft hatten, nahmen wir die Aussetzer zum Anlass, um an dieser Stelle abzubrechen. Wir kehrten ins Fahrerlager zurück, machten uns frisch und verwöhnten unsere Frauen mit einem Besuch der Gaststätte auf der Burg Steinsberg.
 

Die beiden Helden nutzten die Gelegenheit, einer aufkommenden Dehydrierung mittels geeigneter Getränke entgegen zu wirken.
Anschließend durften uns die Damen zur 60. Jahr-Feier des AMSC Leonberg in den Turm fahren. Dort wurde der Kampf gegen die Dehydrierung erfolgreich bis in die Morgenstunden fortgesetzt!

PS. Die Ausfallursache war natürlich der Klassiker, nämlich Benzinmangel. Dies stellte ich noch am selben Tag fest, als ich vor dem Verladen auf den Hänger den Tank des Gespannes ablassen wollte. Zum einen hatten wir aus Zeitdruck an der Kontrollstelle, an welcher die Kanister deponiert waren das Nachtanken vergessen, zum anderen hatten wir nicht mit einem Verbrauch von 24 Litern auf 100 Kilometern im Gelände gerechnet.

Bericht: Adi         Bilder: Silke + Conny