AMSC Leonberg e.V.
Allgemeiner Motorradsport-Club e.V.

 Ortsclub im ADAC

Start 

Oberpfalzausfahrt mit Kanufahren 2009  

Zurück

 

Es ist Donnerstag, der 23. Juli und ich bin gerade dabei meine sieben Sachen zu packen. Die Clubausfahrt in die Oberpfalz steht an. Endlich mal wieder mit dem Motorrad Kurven genießen, im Kanu über die Pegnitz paddeln und ein paar entspannte Tage mit den Clubkolleginnen verbringen.

Ein kräftiger Donnerschlag schreckt mich aus meiner Betriebsamkeit. Wie wird denn überhaupt das Wetter? Thema Nummer Eins im bisher nur spärlich vorhandenen Sommer 2009. Und top aktuell auch dann, wenn man am nächsten Tag eine Anreise auf zwei Rädern über rund 350 km vor sich hat. Das Ziel ohne Regen zu erreichen wäre nicht schlecht. Zumal ich nicht über eine wirklich dichte Regenhose verfüge. Nach spätestens 30 Minuten Regenfahrt kann ich in der Regel Wassereinbruch vermelden.

Apropos Wassereinbruch, inzwischen hagelt es in Strömen. Und die arme Donnerstag-Reisegruppe (Thomas, Petra, Roland und Dieter) ist seit 10.00 Uhr auf Achse, hoffentlich noch trocken. Das Regenradar auf www.wetter.de sorgt für Klarheit: Südlich einer Linie Stuttgart - Etzelwang herrschte, zumindest zwischen 12 und 14 Uhr Trockenheit. Auch die Aussichten für die Folgetage lassen hoffen.
 

Wo ich eh schon im Internet unterwegs bin noch schnell auf www.gasthof-peterhof.de/. Mal sehen welche kulinarischen Highlights unser Gasthof zu bieten hat. Dort kann man unter der Überschrift „So schmeckt die Oberpfalz“ verheißungsvolles lesen: „Natur, die schmeckt - ein biotopischer Genuss - Probieren Sie unsere herzhaften Spezialitäten vom Lamm, Rind, Wildschwein, Reh,  Forellen und Karpfen aus dem Juradistl-Land.“ Uiuiui…ich freu mich schon aufs Juradistl-Lamm.

Aber trotz aller Vorfreude, einer wird sehr fehlen. Martin, der mit viel Herzblut diese Ausfahrt vorbereitet hat. Dem es so wichtig war, eine Ausfahrt für alle auf die Beine zu stellen. Ob mit Oldtimer, Tourer, Sportler oder Enduro, egal ob im Gespann mit Kind und Kegel, oder mit dem Camper nebst Hund und Zweitmotorrad. Und nach dem Motto: für jeden etwas, egal ob Motorradfahren, Paddeln oder Stadtbesichtigung. Und am Abend dann gemütliches Zusammensitzen im Biergarten. Leider kann er nicht mehr dabei sein.

Es ist Freitag, der 24. Juli. Die Nachzüglergruppe trifft sich. Treffpunkt um 9:30 Uhr bei Pleidelsheim. Mit ausreichend Bargeld im Gepäck (denn im Peterhof gilt die Devise: „Nur Bares ist Wahres“) und der bereits erwähnten undichten Regenhose im Tankrucksack stehe ich dann viel zu früh mit meiner KTM am vereinbarten Treffpunkt. Aber Timo auf seiner BMW lässt nicht lange auf sich warten und auch der Rest der Truppe trudelt pünktlich ein. Fürst Peter auf seiner elfenbeinfarbenen Kawasaki mit Heckverhüterli und Michael auf seinem orangefarbenen Kampfkürbiss. Peter muss auf den Schreck, dass Michael ihn wider Erwarten nicht in Eberdingen abgeholt hat und er dann auch noch sein Vesper hat liegen lassen erst mal eine rauchen. Der Rest der Truppe vertreibt sich die Zeit damit, einen verirrten Touristen wieder auf den rechten Weg zu bringen. Ob es gelungen ist, werden wir wohl nie erfahren.
 

Wir hingegen „erfahren“ auf unseren Zweirädern an diesem Tag zahlreiche der über hundert deutschen Ferienstrassen. Tourguide Peter führt uns auf der Württemberger Weinstraße, der Idyllischen und Romantischen Straße sowie auf Limes- und Burgenstraße gen Oberpfalz. Entlang an Kocher, Jagst und Tauber, vorbei an Löwenstein, Öhringen, Niedernhall, Langenburg und Pyrbaum. Pausen gibt es auch: In Schillingfürst wird standesgemäß zu Mittag gespeist, bei zwei Tankstops werden auch die hungrigen Motoren besänftigt und Peters Nikotinspiegel wird bei der ein oder anderen Raucherpause wieder aufgefrischt. Kurz vor dem Ziel ist dann Peters Karte zu Ende und Michaels Karte hat noch nicht angefangen. Nach kurzem umherirren einigen wir uns darauf, ab jetzt Michaels navigatorischer Intuition zu folgen. Diese Entscheidung beschert uns noch einige kleine, kurvenreiche Sträßchen inklusive Schotter (Baustelle). So kommt auch die Enduro-Fraktion kurz vor Etzelwang noch auf ihre Kosten. 

Durch unser flottes Tempo, kommen wir reichlich früh im Peterhof an. Die Chefin muss wegen uns Ihr Sonnenbad beenden und verspricht uns, in 20 Minuten einige kühle Weizen zu servieren. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und die Motorräder in der Garage verstaut haben, treffen wir uns im Biergarten des Gasthofs. Wenig später kommen Petra, Thomas und Dieter von einer Erkundungstour für morgen zurück. Auch Roland hat inzwischen ausgeschlafen und zeigt Präsenz. So berichten wir uns gegenseitig von den Erlebnissen des Tages. Die Vorhut von ihrer regenfreien Anfahrt am Vortag, der ereignisreichen Ausfahrt des Tages und ihrem tollen Mittagessen: Schweinswürstel mit Güllegeruch. Als Nachwehe klagt Dieter über Magengrimmen. Aber die aufmerksame Wirtin sorgt mit einem Geheimpülverchen für Linderung. 

 

Einige Weizen und ein köstliches Abendessen später trudeln dann auch Klaus und sein Sohne Mathias ein, glücklich den vollen Straßen entkommen zu sein. Jetzt ist noch Norbert auf der Piste. Doch kaum hält man auf der Straße nach ihm Ausschau, hört man es klappern und scheppern (Sorry Norbert J) und die betagte GS samt neu bestiefeltem Fahrer biegt ums Eck. Der während der gesamten Fahrt von Beinkrämpfen geplagte wir erst mal von seinen neuen Alpinestars befreit und mit einem isotonischen Sportgetränk versorgt. Einzig Wallo und Moni können kurzfristig doch nicht anreisen. Leider streikt das Wonnebil und fürs Wochenende ist Schrauben am Bus statt am Gasgriff angesagt. Der Abend in Etzelwang ist noch lang und lustig, die folgende Nacht leider nur kurz und regennass.

Samstagmorgen 7:30 Uhr.  Bei inzwischen sehr durchwachsenem Wetter, trudeln die Kanufahrer (Thomas, Petra, Dieter, Timo, Peter, Michael, Norbert, Irina) am Frühstücksbuffet ein. Während Roland, Klaus und Sohn noch in den Federn liegen. Selbst die hartnäckigen Weckversuche von Peter können Roland nicht beeindrucken, denn Peter steht leider vor der falschen Tür (von Klaus und Sohn J). Frisch gestärkt und noch guten Mutes geht es wenig später los zum Bahnhof Etzelwang. Mit reichlich Gepäck, denn sollte man in die Pegnitz fallen, könnte man ja nass werden und da sind trockene Klamotten von Vorteil.
 

Nach einer kurzen Zugfahrt stehen wir an unserem Umsteigebahnhof in Hersbruck auf den Bahnsteig. Inzwischen mit etwas weniger Gepäck. Glücklicherweise hatte Dieter die Tüte mit seinen und Timos trockenen Klamotten nicht im Zug, sondern schon am Bahnhof in Etzelwang vergessen. Das erhöhte die Chance, noch vor Beginn der Kanutour an die Klamotten ran zu kommen. Und so nutzen wir die Zeit bis zur Abfahrt wenigstens sinnvoll. Typisch, wenn man es mal braucht, hat keiner sein Handy dabei. So müssen wir zur Wiederbeschaffung des abhanden gekommenen Gepäcks auf das gute alte Münztelefon zurückgreifen. Leider wirkt der Wirt des Peterhofes am Telefon nicht wirklich ausgeschlafen. Doch wider Erwarten schafft er es dann doch Klaus und Sohn auf den richtigen Weg zu bringen. Die beiden springen hektisch vom Frühstück auf, rein in die Klamotten, rauf aufs Motorrad und Roland schaut nur noch einer Staubwolke hinterher. Nach einem Umweg über den Bahnhof, schaffen Sie es tatsächlich uns nach unserer zweiten Bahnfahrt abzupassen und das wertvolle Gut zu übergeben. Timo und Dieter werden es noch brauchen….

Nach einer kleinen Wanderung, bei immer noch recht kühlen Temperaturen, kommen wir dann endlich an der Einstiegsstelle bei Lungsdorf an. Dort warte schon unser Kanuverleiher von „alles im fluss“ mit seinem klapprigen Toyota. Zum Glück machen die bereitstehenden Canadier einen besseren Eindruck. Nachdem er uns mit feucht müffelnden Schwimmwesten ausgestattet hat, lässt er uns unterschreiben, dass wir freiwillig auf die eigentlich vorgeschriebenen Helme verzichteten. Dann beginnt der (Ver-)leiher mit seiner Leier: Grundlagen der Paddeltechnik, Handhabung des Equipments, und Tipps aus der Praxis. Mit den Worten: „die Pegnitz wird jedem gerecht“ schickte er uns dann endlich auf die Strecke. 

 

Vorher wird noch die Besatzung auf die vier Boote verteilt. Käpt’n Blaupeter, unter Paddlern auch König der Ardeché genannt, verzichtet auf seinen bewährten Achtzylinder und besteigt mit Leichtmatrose Dieter den Canadier, Achtzylinder Norbert sticht mit Irina im Boot in See und Petra wagt sich mit Juniorkapitän Michael an Bord. So weit so gut, es sind alle erfahrenen Steuermänner aufgebraucht. Zurück blieben das Team-Unerfahren, bestehend aus Präsident Thomas und Timo. Erleichtert, dass er seine Petra in einem sicheren Boot untergebracht hatte, übernimmt Thomas wie im AMSC, selbstbewusst auch im Canadier das Steuer. Nach einer halben Stunde Übung soll es laut der Leier des Verleihers auch ganz gut klappen. Zu dumm, dass die erste Stromschnelle schon wenige Meter nach der Einstiegsstelle beginnt. Bereits diese flotte Strömung bringt das  Team-Unerfahren in erhebliche Turbulenzen und trotz heftiger Gegenwehr letztlich zum Kentern. Lautes Schimpfen hallt von den umliegenden Felsen zu uns herüber. Nach gekonntem Überwinden der Stromschnelle haben wir unsere Boote gewendet um der anderen Besatzungen  zuzusehen – man weiß ja nie! 

Nachdem das Boot vom Wasser befreit und die Besatzung nach gutem Zureden wieder an Bord ist, kann es weiter gehen. Aber die Pegnitz ist ein windungsreicher Fluss, kaum wieder an Bord, rumpeln unsere klatschnassen Kameraden mit ihrem Boot unkontrolliert gegen die Uferböschung. Eine noch lautere Schimpftirade ist zu hören, sehen können wir diesmal nichts, da wir in Ermangelung eines Fotos an Bord J auf ein erneutes Wendemanöver verzichtet haben.

 

Also wieder Boot umdrehen, Paddel einsammeln und es könnte weiter gehen. Doch auch gutes Zureden nützt diesmal nichts. Timo und Thomas weigern sich die Fahrt fortzusetzen. Erst ein für Norbert ungewöhnlicher Autoritätsausbruch bringt die sie dazu, ein drittes Mal das Boot zu besteigen und … ein drittes und letztes Mal zu kentern. Während wir uns in der starken Strömung versuchen mit den Booten an der Böschung festzuhalten, erreichen unsere zwei Wasserratten eine kleine Insel im Fluss. Präsident Thomas springt jetzt, vermutlich um trocken zu werden (?), wie ein wild gewordenes Catwiesel umher und brüllt: „Des isch der gröschde Bledsinn der mir je eigfalla isch.“, Des isch der gröschde Bledsinn der mir je eigfalla isch.“, Des isch der gröschde Bledsinn der mir je eigfalla isch.“…..

Zur gleichen Zeit parken Michael und Petra mit ihrem Canadier inmitten von Wasserschlingpflanzen. Nichts ahnend von den Dramen, die sich einen Kilometer Flussaufwärts abspielen. Eifrig wie Michael nun mal ist, war er als erster auf der Pegnitz und hat souverän alle Schwierigkeiten umschifft, ohne noch einen Blick nach hinten zu verschwenden. Doch nach einer halben Stunde machen sich die zwei dann doch so ihre Gedanken und Stück für Stück werden sie von den zahlreichen vorbei gleitenden Kanuten über die Sachlage informiert.

Nach dem Veitstanz auf der Insel hat der „Bledsinn“ für Timo und Thomas definitiv ein Ende. Während wir weiter die jetzt meist harmlose Pegnitz hinunter paddeln, erreichen die zwei Aussteiger glücklicherweise unseren Verleiher und werden von ihm samt Boot an der Straße aufgegabelt. Zur Mittagsrast in Artelshofen stehen die zwei dann wieder trocken gelegt und gut gelaunt am Ufer. Während Thomas eine weitere Paddelkarriere kategorisch ausschließt, hat Timo der Ergeiz gepackt. Das nächste Mal ist er wieder mit dabei und dann als Steuermann. Hoffentlich ist dann das Wetter besser, denn das Reinfallen gehört halt irgendwie dazu.

Apropos. Nach einer ausgiebigen Pause, mit leckerem Essen und einigen Bieren im Bauch lässt es sich auch trefflich schwimmen. So geht dann auch das Käpt’n Blaupeter-Team nach der Pause noch baden. Schuld daran ist natürlich keinesfalls der Steuermann. Nein, Leichtmatrose Dieter will beim Eintauchen des Bootes in die Uferböschung seine Honda-Kappe retten und unweigerlich kippt das Boot um. Wer das Boot in die Böschung gesteuert hat, ist bisher ungeklärtJ.

 


KTM-BMW-Team (noch trocken...)


Das Kenter-Team wieder trocken....

Kurz vor dem Ziel geht dann auch noch das KTM-BMW-Team unter. Es ist einfach ungeschickt, wenn zwei Bootsinsassen sich wild paddelnd in eine Richtung aus dem Boot lehnen. Einzig Petra und Michael bleiben an diesem Tag trocken. Am Abend gibt es dann natürlich viel Gesprächsstoff, die überstürzt begonnene Motorradtour von Klaus und Sohn wird kräftig mit kühlem Bier begossen und zum Abschluss noch mal das fränkische Essen genossen.

Sonntagmorgen, der 26. Juli, heute nicht ganz so früh. Jetzt heißt es wieder zehn kleine Negerlein… Als erster verlässt uns Timo gen Heimat. Der Rest kommt so nach und nach in die Gänge. Umziehen, Motorrad bepacken und nach einem kurzen Abschied trennen sich die Wege. Thomas, Petra, Dieter, Roland, Klaus und Sohn wollen erst mal Strecke machen und fahren direkt auf die Autobahn. Michael und Peter nehmen noch ein paar kleine Sträßchen auf dem Heimweg mit. Dennoch drängt Peter seinen Navigator Michael möglichst flott gen Heimat. Das Ereignis des Jahres steht an, das Eberdinger Straßenfest. Das KTM-BMW-Team hat heute als Ziel die Zweitheimat München und lässt dort im Biergarten das oberfränkische Wochenende zünftig oberbayrisch ausklingen.  

Übrigens, die undichte Regenhose konnte glücklicherweise das ganze Wochenende im Tankrucksack verbringen. Aber das versprochene Juradistel-Lamm gab es leider nicht, vielleicht das nächste Mal. Dann sind hoffentlich noch mehr Clubmitgliedern mit an Bord!!! 

Irina